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Es muss auch draufstehen, was drin ist. Artikel in der Zeitschrift Werbe Dienst über die Entstehung eines Gemeindewegweisers für die Kirchengemeinde Musberg (Leinfelden-Echterdingen)
Gemeindewegweiser Musberg - Werbe Dienst Es muss auch draufstehen, was drin ist. In der Werbeindustrie ist ganz selbstverständlich, was in der Kirche erst langsam ins Bewusstsein dringt: die Verpackung und der Markenname sind bei der Darstellung des eigenen Angebotes ungemein wichtig. Bei Parfums oder mancher Kleidung scheint manchmal sogar die Verpackung oder der Markenname wichtiger zu sein als das Produkt selber. Von dieser Gefahr sind wir als Kirche allerdings meilenweit entfernt. Ganz abgesehen davon, dass unsere Kirche bzw. der christliche Glaube kein „Produkt“ ist, das verkauft werden soll. Doch seit die Kirche gezwungenermaßen in den Wettkampf mit anderen Weltanschauungen und Religionen getreten ist und ihre bis dahin selbstverständliche Monopolstellung verloren hat, seither muss sie sich auch Gedanken darüber machen, wie sie eine Öffentlichkeit für ihr Angebot schaffen kann. Denn dass die Angebote der Kirchen inhaltlich meist sehr gut sind, hat nicht erst die McKinsey-Studie in München gezeigt. Aber „es muss auch draufstehen, was drin ist“. Mit anderen Worten: es muss erst gezeigt und öffentlich gemacht werden, was die Kirche an Lebensorientierung und Begleitung zu bieten hat. Und sogar kirchlich Engagierte kennen nicht das ganze Spektrum der kirchlichen Veranstaltungen. Noch viel weniger distanzierte Mitglieder. In besonderer Weise kann ein Gemeindewegweiser die verschiedensten Aufgabenfelder einer Gemeinde zusammenfassen und darstellen. Mehr noch als ein Gemeindebrief ist ein Gemeindewegweiser die Visitenkarte einer Kirchengemeinde. Die Idee, einen Gemeindewegweiser für die Kirchengemeinde Musberg (Stadt Leinfelden-Echterdingen) zu entwerfen, entstand im Zusammenhang des Aufbaus eines Besuchsdienstes. Der einstmals beschauliche kleine Ort, idyllisch am Schönbuchrand gelegen, ist durch seine Nähe zu Stuttgart und seinem hohen Erholungswert in den letzten Jahren stark gewachsen. Es gibt einen kleinen traditionellen Ortskern und viele Neubaugebiete. Dem entspricht die kirchliche Situation. Eine Kirche, die Kirche für alle sein will, ist in dieser Situation vor ganz neue Aufgaben gestellt. Gerade der Besuch von Neuzugezogenen ist ein Ernstnehmen der Mitgliedschaft von solchen Kirchenmitgliedern, die zum Ort und viel mehr noch zur Kirchengemeinde erst einen recht losen Kontakt hergestellt haben. Der Gemeindewegweiser dient als ausführliche Visitenkarte. Unaufdringlich-einladend informiert dieser über die Kirchengemeinde. Dazu muss er aber auch entsprechend gestaltet sein. Zwei Aspekte unserer Vorüberlegungen sind somit benannt. Als primäre Zielgruppe für den Wegweiser haben wir die Neuzugezogenen festgestellt. Für die Gestaltung war unsere Maxime folgende: der Gemeindewegweiser muss so sein, dass man ihn gerne in die Hand nimmt. Das war der Grund, warum wir uns entschlossen, den Wegweiser nicht nur in der „Einsamkeit“ des Pfarrbüros entstehen zu lassen, sondern die Zusammenarbeit mit einer professionellen Grafik-Designerin - Frau Andrea Dambacher - zu suchen. Als ein Gemeindeglied unserer Kirchengemeinde hat sie selber viel ehrenamtliches Engagement und vor allem Fachwissen und Kreativität eingebracht. Primäre Zielgruppe waren – wie erwähnt - die Neuzugezogenen. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch die Wirkung des Wegweisers auf alteingesessene Bürgerinnen und Bürger und engagierte Mitarbeitende der Kirchengemeinde. Es gibt zwar in unserer Kirchengemeinde recht viele Veranstaltungen und Gruppen, aber nur wenige Berührungspunkte zwischen z.B. Kirchenchor und Krabbelgruppe; abgesehen vielleicht vom Gemeindefest, wo mehr oder weniger die ganze Gemeinde zusammenkommt. So kann ein Gemeindewegweiser dazu mithelfen, dass sich eine corporate identity der Gemeinde entwickelt. Theologisch gesprochen könnte man auch sagen, dass ein Gemeindewegweiser mit dazu beitragen kann, den Leib Christi erfahrbar zu machen. In unseren Planungen versuchten wir eine Balance zwischen Individualität der Gemeindegruppen und gleichzeitiger Identität als eine Kirchengemeinde herzustellen. Die Individualität wurde so gewährleistet, dass die einzelnen Gemeindegruppen gebeten wurden, mit eigenen Worten ihre Aktivität vorzustellen, eine Kontaktperson zu benennen und ein Symbol bzw. Gruppenlogo nach Möglichkeit mit abzuliefern. Die Identität als eine Kirchengemeinde versuchten wir durch die durchgängige grafische Gestaltung und ein einheitliches, neu entwickeltes Logo herzustellen. Das bedeutete z.B. die durchgängige Verwendung von Schriftarten. So sind die Überschriften in der Schrift „Justlefthand“ gehalten, im Logo findet sich die Schrift „Lithos“ und der Schreibtext ist durchgängig „Frutiger“. Besonders spannend gestaltete sich die Suche nach einem durchgängigen Logo. Bislang kursierten zwar verschiedene Abbildungen von Kirche und Gemeindehaus, aber kein einheitliches Logo. Der Kirchturm von Musberg ist zwar hübsch und prägnant, aber wirklich einmalig ist die Darstellung von drei ineinander verschlungenen Fischen im Schlussstein des Chores, die die Kirche als Dreifaltigkeitskirche ausweist. Aus der einmaligen Darstellung der drei Fische hat die Grafik-Designerin ein prägnantes Logo gestaltet. Um die Wiedererkennbarkeit zu verbessern, werden nun das Logo und die drei genannten Schriften nach und nach auch in anderen Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde eingesetzt: Briefbögen, Taufurkunden, Plakatrahmen usw. Der Gemeindewegweiser soll auch Grundlage des geplanten Internetauftritts der Kirchengemeinde werden. Schon während der Planungsphase hat sich die aufmerksame Lektüre bereits bestehender Gemeindewegweiser von anderen Gemeinden als hilfreich erwiesen. Die kritische Durchsicht der bestehenden Wegweiser zeigte ein Problem auf. Wegweiser, die als eine Art Buch hergestellt werden, haben das Problem, dass sie schnell veraltet sind. Andere Wegweiser hatten deshalb eine feste Kartonhülle und die Einzelblätter lose eingesteckt. Aber auch diese Lösung befriedigte nicht ganz, denn schnell sind Seiten verloren gegangen oder es ist ein großes Durcheinander entstanden. Der Musberger Gemeindewegweiser hat daher einen starken Kartoneinband, in den die einzelnen Seiten wie in einem Schnellhefter abgeheftet werden. Es gibt dabei ein Inhaltsverzeichnis mit verschiedenen Rubriken aber keine durchgängige Paginierung der Seiten, so dass problemlos eine neue Seite unter der entsprechenden Rubrik eingefügt werden kann. Der Kartoneinband kann durch nur geringfügige Änderungen schnell auch für andere Zwecke verwendet werden, z.B. als Einband für ein selbsterstelltes Liederbuch der Jungschar... Der Kirchengemeinderat befürwortete von Beginn an den Wegweiser. Zwei Punkte wurden aber länger und öfter diskutiert. Erstens die Frage der Finanzierung. Ein einigermaßen professionell hergestellter Wegweiser hat seinen Preis. So machten wir aus dem Projekt Gemeindewegweiser eine Fundraising-Aktion. Alle Gewerbetreibenden des Ortes wurden angeschrieben. Die große finanzielle Resonanz und auch das Interesse der Gewerbetreibenden an einem professionellen Öffentlichkeitsauftritt der Kirchengemeinde waren überraschend und bestärkten uns in unserer These von der Notwendigkeit einer auch medialen Präsenz der Kirche in der Öffentlichkeit. Alle Spenderinnen und Spender sind am Ende des Wegweisers diskret erwähnt. Kontrovers diskutiert wurde im Kirchengemeinderat vor allem die Frage nach dem Logo. Zündstoff barg die Frage: Kirchturm oder Fische? Eine Präsentation durch die Grafik-Designerin im Kirchengemeinderat und ein Gottesdienst über die drei Fische waren u.a. Aktionen, die dazu führten, dass das Konzept mit den Fischen letztendlich für den Wegweiser beschlossen wurde. Die Einführung eines neuen Logos bzw. eines ganzen neuen Konzepts von Öffentlichkeitsarbeit braucht viel Nachdenken, Diskussion, Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit und vor allem viel Zeit. Von der ersten Idee bis zur Auslieferung verging über ein Jahr! Um ein abgerundetes Bild der Kirchengemeinde vorstellen zu können, kamen außer den Artikeln der Gruppen und Kreise auch noch eine persönliche Begrüßung, historische Informationen zur Kirche, Glocken und Ort, ein abstrahierter Ortsplan mit den kirchlichen Einrichtungen, Hinweise und Darstellungen sozialer Leistungen und gemeindeübergreifende Bezirksangebote wie z.B. die Psychologische Beratungsstelle hinzu. Festlich vorgestellt und dadurch abgerundet wurde das Projekt Gemeindewegweiser im Rahmen eines Gemeindefestes. Die Resonanz auch auf die gewagte Farbkombination der Kartonhülle mit den Farben Orange-Blau war durchweg sehr positiv und lässt weitere Projekte im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wünschenswert erscheinen. Pfarrer z.A. Ralf Luginsland

 
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