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Was macht das Schiff im Fenster
Eigenartiges entdeckte ich im Urlaub. Am mittelalterlichen Dom von Pisa (zu dem übrigens auch der schiefe Turm gehört), sah ich diese Schiffe, die scheinbar bergauf fahren. Eingearbeitet in ein Fenster, eigentlich sinnlos und unpassend. Als ich mir diese eigenartigen Schiffe genauer ansah, fiel mir auf: Das muss etwas Altes sein. Ein Stein aus der Römerzeit vielleicht, den die Baumeister von Pisa sozusagen recyclet haben. Spolie heißt das in der Fachsprache. Spolie heißt übersetzt „Beute- oder Siegespreis“. Die Steine stammen aus antiken, meist heidnischen Bauwerken. Die Baumeister bringen damit zum Ausdruck: Wir haben diese alte Kultur besiegt. So gibt es im Schwäbischen Pliezhausen zum Beispiel auch eine alte heidnische Steinfigur des römischen Gottes Merkur, der in die Mauer der evangelischen Kirche eingepasst wurde, aber natürlich liegend! Damit wurde der Sieg des Christentums über das Heidentum sozusagen in Stein festgemauert. Aber über diese etwas kriegerische Deutung hinaus, sagt dieses Schiff im Fenster noch mehr: Um Neues zu bauen, ist man auf das Alte angewiesen. Nicht alles, was war, ist schlecht. Auf Manches, was man zurücklassen muss, kann man auch stolz sein. Vieles, was ich meine, z.B. aus meiner Kindheit abgelegt zu haben, bleibt eingemauert als wichtiger Schatz in meiner Seele. Beziehungen, die es vielleicht schon längst nicht mehr gibt oder Heimat, die verloren ging. Manches Alte hilft mir auch, Neues anzufangen. ABC-Schützen lächeln zwar jetzt über den Kindergarten, aber die drei Jahre bleiben ein fixer Stein der Unbeschwertheit in ihrem Denk- und Fühl-„Gebäude“. So entdecken auch immer wieder Menschen in ihren oft säkularen Häusern ihres Lebens, Bruchstücke, Worte und Begebenheiten des Glaubens, die sie gar nicht mehr darin vermuteten. Solche Worte, wie sie der Psalmbeter aus Psalm 31 an Gott richtet: „Sei mir ein starker Fels.“ Man spürt plötzlich, dass es alte „Steine“ gibt, die mir helfen, Vertrauen in diese Welt zu finden, in der so Vieles wackelt und umbricht. Vertrauen, das im Vertrauen auf Gott seinen Grund hat. Schauen sie nur achtsam auf die alten Gemäuer und auf sich. Da werden sie so manche Spolie finden. Mit den besten Wünschen, Ihr Ralf Luginsland

 
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